Leben mit der Sexpuppe
City- & Szenenews
09.07.2008
Sie geben ihnen Namen, sie sprechen mit ihnen, sie kaufen ihnen Kleider und Geschenke - für viele Männer sind Real Dolls viel mehr als nur ein teures Sexspielzeug. Mittlerweile gibt es Dokumentationen und sogar einen Kinofilm über das Phänomen.
Eine Gummipuppe kann man in jedem x-beliebigen Sexshop kaufen. Mit ihrem entstellten Gesicht, ihrem unnatürlich geformten und mit Luft gefüllten Körper vermag eine Gummipuppe aber kaum die Illusion einer echten Frau zu vermitteln.
Real Dolls jedoch sind keineswegs mit schnöden Gummipuppen zu verwechseln. Real Dolls sind Gesamtkunstwerke, die, wenn auch in idealisierter Form, realen Frauen nachempfunden sind. Sie sind lebensgroß, ihre Silikonhaut fühlt sich täuschend echt an und ihr Skelett ist aus beweglichem PVC. Die Puppen bringen sogar das Gewicht einer echten Frau auf die Waage: 50 kg schwer kann eine Silikonfrau sein. All dies, die feinen Gesichtszüge und die zahlreichen Extrausstattungen erklären vielleicht den hohen Preis der Real Dolls. Um die 6000 Euro legen Käufer für ein Exemplar auf den Tisch.
Marktführer: Abyss Creations
Vor über zehn Jahren hat sich eine kleine Firma aus Kalifornien namens Abyss Creations auf die Herstellung der Liebespuppen spezialisiert. Noch heute ist der Hersteller Marktführer. Auf der Homepage der Firma können sich die Kunden die Silikonfrau ihrer Träume nach Wahl zusammenstellen. Auswahl und Bestellung laufen recht lieblos ab: Auf dem Bestellzettel steht zum Beispiel "Gesicht Nummer 14 auf Körper Nr. 4". Zur Auswahl stehen 16 Gesichter und verschiedene Körper mit unterschiedlich großen Brüsten.
Real Dolls als Partnerersatz
Ist die fertige Puppe erst einmal zum Käufer verschifft worden, bauen viele Kunden trotz liebloser Bestellprozedur im Vorfeld sehr starke emotionale Bindungen zu ihrer Real Doll auf. Für viele Männer mit Bindungsproblemen sind die Puppen nicht nur Sexspielzeuge, sondern Beziehungsersatz.
Der Erfinder der Plastikpuppen und Chef von Abyss Creations, Matt McMullen, ist stolz darauf, dass seine Real Dolls vielen Männern rund um den Globus so viel bedeuten. Viele der Kunden hätten noch nie Sex mit einer echten Frau gehabt. Bevor man aber niemals Sex habe, sei es doch besser, ihn mit einer Puppe zu erleben, die aussehe wie eine Frau und die sich sogar wie eine anfühle. Außerdem sei das Leben mit einer Real Doll viel preiswerter, scherzt McMullen.
Doku "Guys and Dolls" gibt Einblicke
Bislang sind über 4000 Puppen aus Kalifornien an sehnsüchtige Männer aus aller Welt verschickt worden. Everard aus Dorset (England) zum Beispiel besitzt gleich mehrere. Seit dem Tod seiner Mutter, mit der er zusammenlebte, spenden die Puppen ihm Trost.
In der Dokumentation "Guys and Dolls" erklärt Everard, dass schöne Frauen für ihn schon immer unerreichbar schienen. Seine Ausstrahlung komme einfach nicht gut bei den Frauen an. Everard fühlt sich seit jeher als Außenseiter.
Seit er die Puppen besitzt, ist er ein leidenschaftlicher Fotograf geworden. Er drapiert seine Real Dolls für Familienfotos, stellt sich für die Schnappschüsse mit ins Bild. "So kommen sie mir noch echter vor", sagt der Engländer.
In "Guys and Dolls" wird auch Gordon aus Virginia vorgestellt. Genau wie Everard fühlte sich Gordon von echten Frauen bisher immer nur ausgenutzt. Der Amerikaner ist sich sicher, dass sein Aussehen der Grund für sein Singledasein ist. "Ich habe schlechte Haut, schlechte Zähne, ich bin zu dünn", sagt Gordon. Irgendwann habe er einfach keine Hoffnung mehr gehabt, eine Partnerin zu finden. "Wenn du 39 bist und noch nie eine Frau hattest, dann ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass du noch eine findest", sagt Gordon resigniert.
Auch Käufer in Deutschland
Auch hierzulande findet Abyss Creations seine Käufer. Zu ihnen gehören Harald und Thomas, die vor einigen Monaten in einem Polylux-Beitrag über ihre Beziehungen zu den Puppen sprachen.
Harald findet es schwer und anstrengend, sich mit anderen Menschen zu unterhalten und ihnen zuzuhören. An seiner Puppe Ramona schätzt er, dass lange Dialoge mit ihr nicht nötig sind. Man sei einfach füreinander da, so der Diplomingeneur.
Thomas hat schweres Asthma und geht wegen seiner Krankheit nur noch selten vor die Tür. Seine beiden Silikonfrauen Anika und Melanie spenden ihm zu Hause Trost. Wenn Thomas' Mutter zu Besuch kommt, begrüßt auch sie die beiden Puppen, weil sie weiß, wie viel sie ihrem Sohn bedeuten.
Beide Männer sind sich darüber bewusst, dass ihr Leben mit den Puppen ungewöhnlich ist, vielleicht sogar von einigen als 'pervers' empfunden wird. Beiden tut die Gesellschaft der Real Dolls jedoch gut.
Lars und die Frauen
Mittlerweile gibt es sogar einen Hollywoodfilm über die Thematik. In "Lars und die Frauen" stellt der scheue Lars seinem Umfeld seine neue Freundin, die Real Doll Bianca, vor. Um Lars einen Gefallen zu tun und ihm aus seiner Isolation zu helfen, spielen Familie und Freunde das Spiel nach der anfänglichen Befremdung schließlich mit.
(she)
Sie geben ihnen Namen, sie sprechen mit ihnen, sie kaufen ihnen Kleider und Geschenke - für viele Männer sind Real Dolls viel mehr als nur ein teures Sexspielzeug. Mittlerweile gibt es Dokumentationen und sogar einen Kinofilm über das Phänomen.
Eine Gummipuppe kann man in jedem x-beliebigen Sexshop kaufen. Mit ihrem entstellten Gesicht, ihrem unnatürlich geformten und mit Luft gefüllten Körper vermag eine Gummipuppe aber kaum die Illusion einer echten Frau zu vermitteln.
Real Dolls jedoch sind keineswegs mit schnöden Gummipuppen zu verwechseln. Real Dolls sind Gesamtkunstwerke, die, wenn auch in idealisierter Form, realen Frauen nachempfunden sind. Sie sind lebensgroß, ihre Silikonhaut fühlt sich täuschend echt an und ihr Skelett ist aus beweglichem PVC. Die Puppen bringen sogar das Gewicht einer echten Frau auf die Waage: 50 kg schwer kann eine Silikonfrau sein. All dies, die feinen Gesichtszüge und die zahlreichen Extrausstattungen erklären vielleicht den hohen Preis der Real Dolls. Um die 6000 Euro legen Käufer für ein Exemplar auf den Tisch.
Marktführer: Abyss Creations
Vor über zehn Jahren hat sich eine kleine Firma aus Kalifornien namens Abyss Creations auf die Herstellung der Liebespuppen spezialisiert. Noch heute ist der Hersteller Marktführer. Auf der Homepage der Firma können sich die Kunden die Silikonfrau ihrer Träume nach Wahl zusammenstellen. Auswahl und Bestellung laufen recht lieblos ab: Auf dem Bestellzettel steht zum Beispiel "Gesicht Nummer 14 auf Körper Nr. 4". Zur Auswahl stehen 16 Gesichter und verschiedene Körper mit unterschiedlich großen Brüsten.
Real Dolls als Partnerersatz
Ist die fertige Puppe erst einmal zum Käufer verschifft worden, bauen viele Kunden trotz liebloser Bestellprozedur im Vorfeld sehr starke emotionale Bindungen zu ihrer Real Doll auf. Für viele Männer mit Bindungsproblemen sind die Puppen nicht nur Sexspielzeuge, sondern Beziehungsersatz.
Der Erfinder der Plastikpuppen und Chef von Abyss Creations, Matt McMullen, ist stolz darauf, dass seine Real Dolls vielen Männern rund um den Globus so viel bedeuten. Viele der Kunden hätten noch nie Sex mit einer echten Frau gehabt. Bevor man aber niemals Sex habe, sei es doch besser, ihn mit einer Puppe zu erleben, die aussehe wie eine Frau und die sich sogar wie eine anfühle. Außerdem sei das Leben mit einer Real Doll viel preiswerter, scherzt McMullen.
Doku "Guys and Dolls" gibt Einblicke
Bislang sind über 4000 Puppen aus Kalifornien an sehnsüchtige Männer aus aller Welt verschickt worden. Everard aus Dorset (England) zum Beispiel besitzt gleich mehrere. Seit dem Tod seiner Mutter, mit der er zusammenlebte, spenden die Puppen ihm Trost.
In der Dokumentation "Guys and Dolls" erklärt Everard, dass schöne Frauen für ihn schon immer unerreichbar schienen. Seine Ausstrahlung komme einfach nicht gut bei den Frauen an. Everard fühlt sich seit jeher als Außenseiter.
Seit er die Puppen besitzt, ist er ein leidenschaftlicher Fotograf geworden. Er drapiert seine Real Dolls für Familienfotos, stellt sich für die Schnappschüsse mit ins Bild. "So kommen sie mir noch echter vor", sagt der Engländer.
In "Guys and Dolls" wird auch Gordon aus Virginia vorgestellt. Genau wie Everard fühlte sich Gordon von echten Frauen bisher immer nur ausgenutzt. Der Amerikaner ist sich sicher, dass sein Aussehen der Grund für sein Singledasein ist. "Ich habe schlechte Haut, schlechte Zähne, ich bin zu dünn", sagt Gordon. Irgendwann habe er einfach keine Hoffnung mehr gehabt, eine Partnerin zu finden. "Wenn du 39 bist und noch nie eine Frau hattest, dann ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass du noch eine findest", sagt Gordon resigniert.
Auch Käufer in Deutschland
Auch hierzulande findet Abyss Creations seine Käufer. Zu ihnen gehören Harald und Thomas, die vor einigen Monaten in einem Polylux-Beitrag über ihre Beziehungen zu den Puppen sprachen.
Harald findet es schwer und anstrengend, sich mit anderen Menschen zu unterhalten und ihnen zuzuhören. An seiner Puppe Ramona schätzt er, dass lange Dialoge mit ihr nicht nötig sind. Man sei einfach füreinander da, so der Diplomingeneur.
Thomas hat schweres Asthma und geht wegen seiner Krankheit nur noch selten vor die Tür. Seine beiden Silikonfrauen Anika und Melanie spenden ihm zu Hause Trost. Wenn Thomas' Mutter zu Besuch kommt, begrüßt auch sie die beiden Puppen, weil sie weiß, wie viel sie ihrem Sohn bedeuten.
Beide Männer sind sich darüber bewusst, dass ihr Leben mit den Puppen ungewöhnlich ist, vielleicht sogar von einigen als 'pervers' empfunden wird. Beiden tut die Gesellschaft der Real Dolls jedoch gut.
Lars und die Frauen
Mittlerweile gibt es sogar einen Hollywoodfilm über die Thematik. In "Lars und die Frauen" stellt der scheue Lars seinem Umfeld seine neue Freundin, die Real Doll Bianca, vor. Um Lars einen Gefallen zu tun und ihm aus seiner Isolation zu helfen, spielen Familie und Freunde das Spiel nach der anfänglichen Befremdung schließlich mit.
(she)
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