Acht Tote bei Verkehrsunfall nahe Rostock

© Sport Moments
09.04.2011

"Der schlimmste Verkehrsunfall" in der Geschichte M-Vs: Infolge von Sandstürmen kam es auf der A19 bei Rostock zu einer Massenkarambolage. Acht Menschen starben, 131 sind verletzt.

"Das ist der schlimmste Verkehrsunfall, den Mecklenburg-Vorpommern je erlebt hat." Mit diesen Worten beschreibt Polizeisprecherin Yvonne Burand die Massenkarambolage auf der Autobahn 19 bei Kavelstorf nahe Rostock. Acht tödlich Verunglückte, 131 Verletzte; 20 Verletzte befinden sich noch im Krankenhaus. 80 Fahrzeuge rasten ineinander, knapp 30 gingen in Flammen auf. Die Asphaltdecke schmolz; mehr als 50 Meter der Fahrbahn sind mit riesigen Löchern übersät und von schwarzem Ruß sowie verbrannten Wrackteilen gezeichnet.

Wie die Welt berichtet, seien es heftige Winde und die für diese Jahreszeit zu trockene Witterung gewesen, die die Sandstürme ausgelöst hatten: Im Anschluss an ein Waldstück hatte der übermäßig starke Wind trockenen Sand und Erde von angrenzenden Feldern auf die Fahrbahn geweht. Den Fahrern wurde unmittelbar die Sicht genommen; die Sichtweite lag laut der Polizei unter zehn Metern. "Es gab in der Region länger keinen ergiebigen Regen, da muss der Wind keine Orkanstärke erreichen für solche Sandstürme", erklärt dahingehend Meteorologin Angela Richter in Potsdam. Am Unfallort habe der Sturm aus westlicher Richtung zum Zeitpunkt des Massenunfalls Stärken von acht und neun erreicht, was "Geschwindigkeiten von 72 bis 86 Stundenkilometern" entspreche. Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach, erläutert: "Sturmböen sind im Norden keine Seltenheit. Vielmehr hat eine Verkettung unglücklicher Umstände zu der Massenkarambolage geführt." Der DWD habe bereits am Vormittag Warnungen vor Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis zu 85 km/h und mehr ausgesprochen - gemessen wurden in Mecklenburg-Vorpommern, so Juliane Pestel vom Wetterdienst Meteomedia, schließlich sogar orkanartige Sturmböen von 117 km/h. In Rostock Laage erreichten Sturmböen Geschwindigkeiten von rund 96 km/h.

In beiden Fahrtrichtungen ereigneten sich daraufhin Zusammenstöße; in Richtung Rostock in besonders schlimmem Maße. Dort brach schlussendlich das Feuer aus. Westlich des Unfallortes befinden sich Regionen, in denen aufgrund der Trock-
enheit bereits die erste Waldbrandwarnstufe ausgerufen wurde; Landwirten zufolge sei das frische Grüne auf Feldern und an Sträuchern infolge der kalten Witterung im Nordosten noch nicht so gewachsen, wie es im Frühjahr üblich sei. Daraus folge, dass die Erde auf den kahlen Feldern leicht aufzuwirbeln gewesen sei.

Nächtelange Rettung, tagelange Reparaturen

Die Rettungsarbeiten, bei denen insgesamt 250 Kräfte von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten sowie des Deutschen Roten Kreuzes aktiv waren, dauerten die ganze Nacht an. Bis Samstagvormittag trennten die Feuerwehrleute die ineinander verkeilten Fahrzeuge, schleppten alle bis auf einen von der Autobahn - unterstützt von dem Technischen Hilfswerk (THW), der den Unfallort ausleuchtete, und Abschleppunternehmen, die die Fahrzeuge anschließend fortbrachten. Erst 20 Stunden nach dem Unfall wurde der letzte brennende Lastwagen gelöscht.

Wie der Focus berichtet, versuche die Autobahnmeisterei, die Fahrbahn Richtung Berlin im Laufe des Tages wieder zu öffnen. Dahingehend könne zumindest einspurig der Verkehr an der Unfallstelle vorbeigeführt werden; die Reparatur der anderen Fahrbahn jedoch könne noch mehrere Tage andauern - schließlich sei laut der Autobahnmeisterei der Beton der Fahrbahn unter dem ausgebrannten Gefahrguttransporter bis zu fünf Zentimeter völlig zerstört und "thermisch zersetzt".

Linkspartei spricht sich für "tabulose Diskussionen" aus

"Das zeigt, selbst höchsten Anstrengungen bei der Verkehrssicherheit werden durch solche extremen Naturgewalten Grenzen gesetzt", sagt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der Opfern und Angehörigen sein Beileid und Mitgefühl bekundete. Erwin Sellering (SPD), Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident, sprach gegenüber den Rettungskräften Dank für deren Einsatz aus. Einen Denkanstoß stellte der Massenunfall für die Bundesvorsitzenden der Linkspartei, Klaus Ernst und Gesine Lötzsch, dar: Man müsse nun ohne Tabus über Konsequenzen wie ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen diskutieren, um Risiken solcher Massenunfälle zu senken.

(nm)
82
Kommentare insgesamt

Steffen H.
09.04.2011 14:11
Gast
10 Min vor dem Unfall bin dort noch lang gefahren. Diesen Sandsturm habe ich noch nie in meinem Leben live gesehen ... Die Sicht ging nur bis zur Motorhaube ....

XxX kati k.
09.04.2011 15:30
Gast
ganz schrecklich !!!!! bin sooooo froh das mein mann erst 13Uhr aus kritzkow nach rostock los ist !!!!! wir sind alle so geschockt !!!.....in gedenken an die opfer und hut ab vor den helfern !!!!

Heike Radtke
09.04.2011 15:57
reg. Mitglied
das ist schrecklich !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
bekommen die hinterbliebenden jetzt auch ein spendenkonto ?

Andre J.
09.04.2011 16:03
Gast
bei solchem Wetter hilft nur Gechwindigkeit runter...!!! kam um die Zeit aus Hamburg auf der A20 hatte auch mit extremen Wind zu kämpfen. schrecklich! Mir wurde ganz anders als ich das im Radio hörte

Neigel85
09.04.2011 16:32
reg. Mitglied
.in gedenken an die opfer und hut ab vor den helfern !!!!

Jörg H.
09.04.2011 16:32
Gast
habe um die uhrzeit die gleichen wetterverhältnisse bei berlin gehabt, nur dort waren die autofahrer cleverer. sie haben ihre geschwindigkeit den wetterverhältnissen angepasst und haben notfalls auf dem seitenstreifen angehalten!
wie kann man mit 120 - 130 km/h über die bahn fliegen, wenn man nicht einen meter weit sehen kann???

Mirco s.
09.04.2011 16:48
Gast
Jörg h Halts Maul! Zeig etwas Mitgefühl, das ist schrecklich was da passiert ist und da ist das letzte was man lesen möchte, son dummer Kommentar wie der von dir. Beileid an die Familien die da ihre liebsten verloren haben und ein danke an die Hilfskräfte.

Sonnberger
09.04.2011 16:55
Gast
hallo bin selber in der feuerwehr und eins kann man mir glauben die helfer sind ihr leben lang geschädigt sowas "brennt sich regelrecht im kopf ein" sowas möchte kein helfer je in sein leben sehen....


mein beileid für die hiterbliebenden und ich bin stolz auf sämtliche helfer,
ihr habt gute arbeit geleistet.

MATZE B.
09.04.2011 18:07
reg. Mitglied
hatte dort einsatz und danke nochmal allen helfern...ihr habt gestern einen richtig schweren job gehabt...einfach nur schrecklich...

STW81
09.04.2011 19:36
reg. Mitglied
Schreckliche Sache definitiv!!!!
wir sollten den Opfern eine Gedenk minute geben!!
Und wir sollten den Helfern an der Einsatzstelle ein großen Dank aussprechen!!! Und ein lob geben!!
Also von mir erhalten die Einsatzkräft mein vollsten Respekt!!! Man kann nur erahnen wie es gewesen ist wenn man nicht selber dort gewesen ist.
KAMERADEN MEIN RESPEKT!!!!
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