Kinderschutz-ABC: E wie Erkennen von Kindeswohlgefährdung

© Kinderschutz-ABC / Bündnis Kinderschutz MV, Start GmbH
22.09.2011

Wöchentlich veröffentlicht der Spion einen Beitrag aus dem Kinderschutz-ABC. Heute: E wie Erkennen von Kindeswohlgefährdung.

Kleine Puzzleteilchen, die zusammen ein Bild ergeben

Wir wissen heute sehr viel über Formen von Gewalt gegen Kinder und deren Ursachen. Sehr häufig gehen Misshandlung und Vernachlässigung einher mit Stress in den Familien, mit Armut, sozialer Isolation oder psychischer Erkrankung. Viele dieser Risikofamilien sind bekannt. Die Mitarbeiter des Jugendamtes, der Drogenberatung, des Jobcenters, von Behörden, Bildungseinrichtungen und Einrichtungen des Gesundheitswesens wissen um ihre Verantwortung im Kinderschutz und leisten bereits sehr gute Arbeit. Aber sie allein können diese Aufgabe nicht bewältigen. Wenn einem Kind oder Jugendlichen Schaden droht oder zugefügt wird, sind alle aufgefordert hinzuschauen und einzuschreiten.

Die Stellen für "gesunde blaue Flecken"

Woran sind aber Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung zu erkennen? Wie können sich Laien davor schützen, zum Beispiel hinter jedem blauen Fleck sofort eine Misshandlung zu sehen? Ina Rieck von der Start GmbH: "Wenn man sich an seine eigene Kindheit erinnert, weiß man, wo die Stellen für 'gesunde blaue Flecken' sind und kennt die Geschichten dazu: an den Schienbeinen, an den Knien, an den Außenseiten von Armen und Beinen. An anderen Stellen sind blaue Flecken auffällig und die Berichte dazu zweifelhaft, und man sollte sich fragen: Kommt das häufiger vor?"

Wiederkehrende äußere Verletzungen sind nur ein Anzeichen dafür, dass das Wohl eines Kindes möglicherweise gefährdet ist. Oft reagieren Kinder und Jugendliche, die häufiger geschlagen werden und wenig Liebe erfahren, auch mit Verhaltens-
auffälligkeiten wie Schuleschwänzen oder Ladendiebstahl. Manche trauen sich einfach nicht mehr nach Hause und streunen planlos umher. Kleinere Kinder zeigen dagegen oft Distanzlosigkeit gegenüber Fremden. Ihre Anhänglichkeit ist leicht zu unterscheiden von der kontaktfreudiger Kinder. Kinder suchen in der Regel zuerst den Blickkontakt, nähern sich dann langsam und zeigen vielleicht ein Spielzeug oder ein Buch. Im Gegensatz dazu steht die distanzlose Annäherung eines Kindes an einem Fremden mit wildem, oft sogar grobem Körperkontakt, mit am Armzerren und ununterbrochenem Reden.

Eine auffällige Verletzung oder ein ungewöhnliches Verhalten eines Kindes sind aber noch kein Beweis für eine Misshandlung oder Vernachlässigung (Verwahr-
losung
). Sie können aber kleine Puzzleteilchen sein, die zusammen ein Besorgnis erregendes Bild ergeben. Weitere Anzeichen sind häufig direkt in der Wohn- und Lebenssituation der Kinder zu erkennen: Den Kindern fehlt es zuhause am Notwendigsten. Sie besitzen zum Beispiel keine jahreszeitgemäße Kleidung (Chaos im Kinderzimmer). Auch ein sehr rauer Umgangston in der Familie kann ein Indiz sein. In Familien, in denen Kinder Gewalt ausgesetzt sind, herrscht diese oft auch zwischen den Eltern, die häufig in ihrer Kindheit selbst Gewalt erleben mussten.

Kinderschutz liegt in der Verantwortung aller

Der Schlüssel, um Kinder besser vor Gewalt zu schützen, sind insbesondere die Menschen im nahen Umfeld der Familien. Gerade Nachbarn, Freunde und Verwandte haben einen guten Blick auf die Situation eines Kindes. Dasselbe gilt für Angehörige von Berufsgruppen, die ihre Kunden zuhause besuchen: Handwerker, Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaften oder der Stadtwerke zum Beispiel. Oft erkennen sie als erste, dass etwas falsch läuft und können frühzeitig Hilfe für die Eltern und Schutz für Kinder vermitteln. (XY... ungelöst)

Weitere Informationen

Adressen von Kinder- und Jugendnotdiensten, Erziehungs- und Familienberatungs-
stellen oder Jugendämtern sowie weitere Informationen sind auf der Kinderschutz-Landkarte des Bündnis Kinderschutz Mecklenburg-Vorpommern zu finden.

(nm) / Kinderschutz-ABC / Bündnis Kinderschutz MV, Start GmbH
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