Kinderschutz-ABC: R wie Rechte der Kinder

© Kinderschutz-ABC / Bündnis Kinderschutz MV, Start GmbH
19.01.2012

Wöchentlich veröffentlicht der Spion einen Beitrag aus dem Kinderschutz-ABC. Heute: R wie Rechte der Kinder.

Zwischen Recht und Wirklichkeit klafft noch immer eine Lücke

von Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind und Sprecher der National Coalition für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland

Kinder haben Rechte. Das ist historisch neu und auch heute im Bewusstsein vieler Erwachsener nicht fest verankert. Dies hängt mit dem überlieferten Bild vom Kind zusammen: Über Jahrtausende hinweg galten Kinder als noch nicht vollwertige Menschen, Erwachsenen in jeder Hinsicht unterlegen. Kinder waren Erwachsenen daher rechtlich nicht gleichgestellt. Im Verhältnis der Generationen waren die jüngsten und schwächsten Mitglieder der Gesellschaft zugleich diejenigen mit den geringsten Rechten.

Inzwischen hat sich vieles verändert. Das Bundesverfassungsgericht stellte 1968 in einem wegweisenden Urteil ausdrücklich fest, dass die Grund- und Menschen-
rechte auch für Kinder gelten. Dass ein solches Urteil überhaupt notwendig wurde, zeigt, dass dies bis dahin nicht selbstverständlich war. Seitdem ist die rechtliche Stellung der Kinder in vielen Bereichen verbessert worden (Gesetze zur Sicherung des Kindeswohls).

Die UN-Kinderrechtskonvention

Die auch von Deutschland 1992 ratifizierte Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist so etwas wie ein Grundgesetz für die Kinder in aller Welt. Die darin festgeschriebenen Kinderrechte gelten für alle jungen Menschen bis zum 18. Lebensjahr, also für Kinder und Jugendliche. Die in den 54 Artikeln der Konvention festgeschriebenen Rechte enthalten gleichermaßen einen Anspruch auf Schutz, Förderung und Beteiligung.

Das wichtigste Schutzrecht ist ein Verbot jeglicher Diskriminierung. Das bedeutet, dass alle Kinder gleiche Rechte haben, unabhängig von Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Religion oder sozialer Herkunft. Weitere Schutzrechte sind zum Beispiel das Recht auf gewaltfreie Erziehung, der Schutz vor Drogen oder der Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten.

Der zweite Bereich betrifft die so genannten Förderrechte. Besonders wichtig ist der Vorrang des Kindeswohls, das heißt bei allen Kinder betreffenden Entscheidungen ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig berücksichtigt werden muss.

Aber auch die Rechte auf Bildung, auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit und auf einen angemessenen Lebensstandard sind wichtige Förderrechte. Außerdem gibt es einen eigenen Artikel, der das Recht jedes Kindes auf Ruhe, Freizeit, Spiel und Erholung festschreibt. Schließlich haben Kinder Beteiligungsrechte: Sie haben das Recht, in allen Angelegenheiten, die sie betreffen, gehört zu werden. Ihr Wille und ihre Meinung müssen angemessen und entsprechend ihrem Alter und ihrer Reife berücksichtigt werden.

Kindern besser zuhören!

Bei der Umsetzung der Kinderrechte gibt es allerdings auch heute noch große Lücken: Mehr als Erwachsene sind Kinder in Deutschland von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. Viele Kinder erhalten nicht die bestmögliche gesundheit-
liche Versorgung (medizinische Grundversorgung). Gewalt gegen Kinder kommt - vor allem in Form seelischer Verletzungen und entwürdigender Behandlungen - erschreckend häufig vor. Vielen Erwachsenen, die Kinder schlagen, fehlt noch immer das Unrechtsbewusstsein dafür (Folgen von Kindeswohlgefährdung). Kinder mit Migrationshintergrund und nach Deutschland geflüchtete Kinder leiden häufig unter Diskriminierung.

Besonders verbreitet und schwer zu erkennen sind Missachtung und Gleichgültig-
keit gegenüber Kindern: Vielen Kindern wird einfach nicht zugehört, und ihre Wünsche werden von Erwachsenen nicht ernst genommen (Wille des Kindes). An wichtigen, sie betreffenden Entscheidungen werden die Jungen und Mädchen nicht beteiligt. Und wenn es um Planungen geht, werden die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen oft schlichtweg vergessen.

Weitere Informationen

Adressen von Kinder- und Jugendnotdiensten, Erziehungs- und Familienberatungs-
stellen oder Jugendämtern sowie weitere Informationen sind auf der Kinderschutz-Landkarte des Bündnis Kinderschutz Mecklenburg-Vorpommern zu finden.

(nm) / Kinderschutz-ABC / Bündnis Kinderschutz MV, Start GmbH
8
Kommentare insgesamt

Sweet as s.
19.01.2012 20:24
Gast
alter... wenn ich das schon lese... die realität sieht leider anders aus. schutz vor drogen usw??? dann sollte die politik ihr augenmerk verstärkt drauf richten. gewaltfreie erziehung? ja bitte, aber das ist leider noch nicht normalität!

kindeswohlgefährdung... wo fängt es an, wo hört es auf? das jugendamt ist keine hilfe. es sterben immer noch zuviele kinder durch die hand ihrer eltern. sei es durch verhungern, vernachlässigung o. a.
wo ist das jugendamt, wenn eine nachbarin auf missstände in einer familie hinweist? warum werden eltern angeschwärzt, wo wirklich alles in ordnung ist? warum werden genau diese kontrolliert? was ist mit den familien, wo wirklich was schief läuft?

es ist gut zu wissen, dass es ein solches recht gibt, aber es muss verdammt auch eins endlich durchgesetzt werden!

diskriminierung von kindern anderer länder und religionen ist eine fehlerziehung. leider kapieren immer noch nicht genug menschen, dass alle gleich sind. meine kinder haben "ausländische" freunde und das ist nicht nur gut so, das ist einfach herrlich!

Vincent R.
23.01.2012 13:12
Gast
Na kindesowhlgefährdung beginnt wenn die grundbedürfnisse des kindes nicht gesichert sind und auch nicht bestehen... wie nahrung, schlafen und so

Sweet as s.
23.01.2012 16:06
Gast
gg ich weiß, was kindeswohlgefährdung ist... es war eine rethorische frage an die allgemeinheit

Clio28
23.01.2012 21:19
reg. Mitglied
na über kindeswohlgefährdung brauch hier keiner was sagen denn es wird immer wieder zu wenig gemacht dagegen damit es den kindern besser geht alle spechen zwar darüber aber schützen tun sie die kinder dennochnicht dagegen wie weit muss es denn kommen damit einer überhaupt was dagegen unternehmen wird!!!!!!!!!!

Sweet as s.
24.01.2012 08:12
Gast
@clio: jo richtig. heutzutage müssen kinder sterben, damit die welt auf kindeswohlgefährdung aufmerksam gemacht wird. sei es, dass die kinder sexuell missbraucht, verprügelt, totgeschlagen werden oder verhungern müssen...

die fälle des kaspar hausers oder des kaisers, der rausfinden wollte, welche die absolute muttersprache ist, sollten genug zeigen, was kindeswohlgefährdung ausmachen. oder das kinderheim, dass vor vielen jahren (ich glaube in italien) sich nicht um die kinder kümmerte und eins nach dem andern starb (nur nicht das, was immer an der tür lag. dort setzte sich meistens die putzfrau zum ausruhen hin und sprach mit dem kind. dieses kind lebte meist etwas länger als die restlichen) sollten allein zeigen, was nur entzug von liebe ausmacht. aber nein, heute werden kinder eben nicht mehr nur die liebe entzogen, heutzutag müssen sie richtig qualvoll leiden...

und es interessiert keine sau!!! tolles deutschland und seine gesetze der rechte für kinder. dann sollte es auch mal so gehandhabt werden!!!

Joachim G.
23.02.2012 20:07
reg. Mitglied
...........ich habe mit Begeisterung die hier geschriebenen Beiträge gelesen. Ja, es wird zu wenig aber auch zu viel (zu schnell) reagiert. Zu wenig : die Dunkelziffer der kindeswohlgefährdung ist immer noch zu hoch.
Zu schnell : Die Jugendämter reagieren übernervös auf jede Art von Defamierung. Leider aber auch aus Inkompetenz. Geschultes und vorallem mehr Personal ist notwendig.
Aber drehen wir doch mal den "Spieß" um;
Was ist mit den Eltern die von ihren eigenen Kind defamiert werden zu Straftätern erklärt werden und eine Vertretung in Amt, welche den Fall nicht kennt reagiert ungewollt exentrisch.....obwohl die Akte des Kindes bereits mehrere Seiten enthält und der "Fall" eigentlich bekannt ist ??????????????
Es ist sehr sehr traurig und es macht kaputt und leer. Selbst Beratungen helfen nicht viel, weil die Gedanken nicht schlafen. Es gibt aber auch keine Antwort auf das ...WARUM.......

Clio28
24.02.2012 19:48
reg. Mitglied
ja joachim dein letzter satz dazu ist echt die warheit aber man hört ja immer wieder wir werden uns kümmern aber wenn einer kommt wird alles überspielt und das was dahinten rum ist sieht keiner , also wird dann wieder mal gesagt wir können keine gefährdung feststellen........

Joachim G.
27.02.2012 19:49
reg. Mitglied
Ebend und genau so ist die Realität. Aber und ....hier liegt "der Hase im Pfeffer" begraben. Problemfamilien zur Seite zu stehen, da fehlt es an geschulten Personal. Zweitens greift hier per Gesetz die verordnete "Demokratie". Ohne Zustimmung der betroffenen Familien oder deren ausdrücklichen Antragstellung; darf eine Familienhelferin/ Helfer nicht aktiv werden. Schon haben wir eine Dunkelziffer die Niemand noch nicht einmal annähernd erkennen - beziffern kann. Ich kenne mehrere Familien die eine Betreung gänzlich ablehnen, wo auch Probleme in der Betreuung, Erziehung und Versorgung von kindern vorliegt. Wo die Erziehungsberechtigten "Kerngesund und jung" sind aber "Null Bock" auf Arbeit haben und immer tiefer in die Schulden stürzen. (Es spielt Alkohol aber keine Rolle). Nach den vielen Vorfällen mit Kindesmißhandlungen und der damit zusammenhängenden Inkompetenz einiger weniger Sozialämter reagierte man dort oben "übernervös" und immer wieder unkoordiniert. Da hilft aber auch keine Kontrolle der Kontrolleure und die übergeordnete Behörde der Kontrolleure und desssen Mitarbeiter der Mitarbeiter... Ihr seht schon: im Endergebniss weiß der Eine nicht was der Andere gerade beschlossen hat; weil das noch nicht kontrolliert wurde. Dieses Durcheinander wird nun nach der Kreisgebietsreform noch größer werden. Bis wiede ein Fall in der Öffentlichkeit bekannt wird.
" Feines Kinderfreundliches Bundesland "
Hinweis-Icon
Bitte melde dich an, um Kommentare hinzuzufügen.
weitere Nachrichten aus der Kategorie „“:
Immer noch keinen Partner gefunden? Am 01. November veranstaltet das Singleportal MV-Spion.de zusammen mit der Firma BM Event das größte Flirt- und Singleevent "La Boum" in Rostock. Dafür wird die Allround Arena Rostock in eine gigantische Single Arena umgewandelt. » mehr lesen
Der Regenbogen-Verein für Schwule und Lesben in der Hansestadt Stralsund wird am 17.Mai 2012, am Internationalen Tag gegen Homophobie, die Regenbogenfahre im Ostseebad Binz hissen, das ist die gute Nachricht » mehr lesen
Diskriminierung oder lediglich polizeiliche Erfahrung? Weil ihn ein Bundespolizist aufgrund seiner Hautfarbe kontrollierte, erstattete ein dunkelhäutiger Deutscher Anzeige - und verlor. » mehr lesen