Artensterben schlimmer als Klimawandel

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Frosch: Weltrat für Biodiversität vor dem Absprung (Foto: Flickr/Lee)
22.01.2012

Für den Experten Carsten Rahbeck stellt uns das Artensterben vor noch größere Probleme als der Klimawandel. Erdgeschichtlich betrachtet spricht man vom "Sechsten Massensterben" in der Tierwelt, weshalb die Hoffnungen auf der Gründung des UN-Biodiversitätsrates liegen.

Die Bewahrung der Artenvielfalt und des ökologischen Gleichgewichts ist eine größere Herausforderung als die Dämmung der negativen Folgen des Klimawandels. Das behauptet Carsten Rahbek, Direktor des Zentrums für Makroökologie, Evolution und Klima der Universität Kopenhagen, anlässlich eines Vorbereitungstreffens für den UN-Biodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Panel for Biodiversity and Ecosystem Services), dessen Gründung für April 2012 erwartet wird.

Sechstes Massensterben in Gang

Dass die Artenvielfalt und die Lage der Ökosysteme derzeit auf "Alarmstufe Rot" stehen, zeigt die Betrachtung aus Perspektive der Erdgeschichte. Das Artensterben verläuft derzeit um das 100- bis 1.000-Fache schneller als die natürliche Rate, sodass man bereits vom "Sechsten Massensterben" spricht. Das letzte derartige Ereignis vor 65 Mio. Jahren, bei dem Dinosaurier und viele andere Arten verschwanden, ging auf globale Änderungen des Klimas und der Atmosphäre zurück, deren Auslöser Asteroiden und Vulkane waren.

"Das jetzige Massensterben ist Ergebnis des Wettkampfes um Ressourcen einer Spezies des Planeten - des Menschen - gegen alle anderen", analysiert Rahbek. Hauptmotor sei diesmal die Verschlechterung der Lebensräume, deren Folgen durch den menschenverursachten Klimawandel noch verschlimmert werden. "Wahrscheinlich gefährdet die Biodiversitäts-Krise die Menschheit mehr als der Klimawandel. Wissenschaft und Politik müssen eng kooperieren, um das Problem zu lösen." Gelingen soll dies künftig durch den Biodiversitätsrat IPBES, der sich an der Funktionsweise des Weltklimarates IPCC orientieren soll.

Hoffen auf April

"Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Artenverlustes sind enorm und werden fast immer unterschätzt", betont auch Christoph Görg, Leiter des Departments für Umweltpolitik am Zentrum für Umweltforschung, im pressetext-Interview. Ein Ausspielen von Klimawandel und Artenkrise gegeneinander lehnt der Experte allerdings ab. "Klima und Biodiversität sind eng miteinander verwoben. Wo Ökosysteme degradiert sind, ist die Klimaverletzbarkeit viel größer, was sich etwa auf die Armut oder Ernährungssicherheit einer Region auswirkt."

Nachdem die Vereinten Nationen bereits 2010 die Unterstützung einer IPBES-Gründung ausgesprochen haben, hatten Experten diesen Schritt Herbst 2011 erwartet. Nach Verzögerungen hofft man nun auf einen Start im April bei der UN-Konferenz in Panama City mit darauf folgender Bestätigung durch diverse UN-Gremien. "Fachlich gibt es keinen Dissens, doch juristisch war bisher unklar, wie der künftige Rat als Teil des UN-Systems eingerichtet werden kann."

Mehr Bewusstsein nötig

Artenschutz ist schwerer zu vermitteln als Klimawandel, sagt Görg. "Die Problemlage ist komplizierter und es gibt kein plakatives Ziel wie jenes der Zwei-Grad-Erwärmung. Was dem IPBES gelingen kann, ist einerseits die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema auf globaler bis lokaler Ebene zu verstärken. Andererseits soll er die vielen bestehenden Artenschutz-Mechanismen und Konventionen unter einen Hut bringen und verbessern." Denn während dem Klima Beschlüsse fehlen, gibt es diese bei der Biodiversität bereits - doch es scheitert an der Umsetzung.

(pte/pb)

3
Kommentare insgesamt

Da V.
22.01.2012 13:11
Gast
ja und? was sollen wir jetz machen? eine gedenkminute, und dann gehts weiter im gleichschritt...

solange sich mit dem schutz einer art oder eines gebietes kein geld verdienen lässt ist sie / es nicht schützenswert. klingt komisch, ist aber so. die entscheidung wo die natur geschützt wird und wo sie weichen muss wird von interessenverbänden getroffen auf die wir nicht den geringsten einfluß haben, wie man hier wieder schön sieht... http://www.focus.de/politik/d...-zu_aid_705443.html

alle maßnahmen zum klima- / artenschutz, sei es das kyoto-protokoll, naturschutzgebiete, fangbeschränkungen usw etc pp sind nur ein tropfen auf den heißen stein - solange das einzige ziel WIRTSCHAFTSWACHSTUM lautet. es wird uns allgegenwärtig verdeutlicht - wir müssen MEHR GELD ERWIRTSCHAFTEN, MEHR RESSOURCEN VERBRAUCHEN usw. um es dann für KLIMASCHUTZ AUSZUGEBEN! wo ist da der denkfehler? es wäre ungefähr das gleiche wenn ich sagen würde "um das feuer zu löschen müssen wir mehr öl hineingießen". unsere einzigen werte scheinen sich auf materialismus zu beschränken - zumindest wird uns das von allen medien eingeprügelt. nach westlichem denken wirtschaftet ein unternehmen nur gut wenn es stetig wächst. tut es das nicht - und sei es nur eine winzige einschränkung wird panik verbreitet.

guckst du hier - http://www.handelsblatt.com/u...nleger/6084318.html

google schockiert anleger - der gewinn ist weniger stark gestiegen als erwartet.

solange dieses grenzenlos dumme denken, dass nur WACHSTUM zählt, in den köpfen vorherscht - was nun mal völlige utopie ist! solange wird es mit dem artensterben, mit den umweltkatastrophen (bp - tankt auch deinen golf voll...) usw. ungemindert weitergehen. solange bis es irgendwann auch bei der obersten gesellschaftsschicht ankommt dass man geld nicht essen kann. ich freue mich auf den tag (auch wenn ich ihn nicht miterleben werde) an dem der letzte mensch von der erde verschwindet und die natur beginnt sich zu erholen.

Stefan G.
22.01.2012 18:19
Gast
Tja, da muß ich leider meinem Vorredner anschließen: Solange die monetäre Sichtweise bestimmt was gemacht/nicht gemacht wird und was gut oder schlecht ist, wird sich nichts ändern. Schlimm, das aus Mangel an bunt bedrucktem Papier (oder auch Geld genannt) eine Art nach der anderen verschwindet und der Planet verödet und der Umgang der Menschen untereinander und mit den Tieren immer gräßlichere Formen annimmt. Wenn man dagegen betrachtet, wieviel Geld - was inzwischen ja zu großen Teilen nur noch als bits und bytes in irgendwelchen Bankcomputern existiert und für welches nie etwas getan oder hergestellt wurde - für nichts und wieder nichts duch diese sog. Krisen verbrennt, wird deutlich wie wenig uns das Artensterben kratzt, so es denn nicht irgendwann uns selbst erwischt. Wir "ach so intelligenten" Menschen hätten es eigentlich auch nicht besser verdient, weil wir tatenlos zusehen und kräftig weiter machen wie bisher.

Die Venus fragt die Erde: "Na, Erde, wie geht's?". Die Erde meint: "Ach, nicht so gut, ich habe Mensch." Antwortet die Venus: "Ach, das geht vorbei..."

Nun J.
24.01.2012 14:45
Gast
Man sieht das ja allein schon an den Gruppen und Themen hier im Spion. Um die Umwelt scheren sich hier vielleicht 5 Prozent, wenn nicht weniger.

Alle stöhnen im Sommer und fluchen im Winter, finden das alles so schlimm was an Hurricans, Lawinen, Wetterkapriolen passiert. Aber bereit etwas zu tun ist kaum einer,. Was interessiert es die Leute ob die Frösche nun quaken oder nicht, es nervt sie sogar

Im Sommer jammern sie dann alle wenn die Mücken angreifen, die Fliegen überall rumsitzen und alles vollscheissen.

Solange es nicht ein gefangenes und verspeistes, süßes Rotkehlchen in Spanien ist, juckt es doch niemanden wirklich. Nach ihnen die Sintflut.

Aus Geld muss mehr Geld gemacht werden, koste es was es wolle. Konsum ist die Device, was der eine hat muss ich auch haben. Das ist die Welt, das ist Europa, das ist Deutschland.

Viele sind einfach zu dumm und begreifen die Zusammenhänge nicht. Leider.
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