Der Mitangeklagte und Ehemann Tilo sitzt drei Stühle weiter, im schwarzen Kapuzen-Shirt. Ihre Blicke werden sich während der Verhandlung kein einziges Mal treffen, das Scheidungsverfahren läuft. 1994 lernten sie sich kennen. Im August 2004 wurde geheiratet. Lea-Marie war ein Wunschkind, betonen beide. Sie geben an, guten Elternhäusern zu entstammen. "Sehr gut sogar", sagt die Angeklagte und spricht dann vom alkoholabhängigen Vater und "viel Gewalt".
Einmal sei sie bei einem Streit zwischen Vater und Mutter mit einem Messer eingeschritten. In der Schule wurde sie "bespuckt und getreten". Die Lehre schloss sie ohne Prüfung ab, heute ist sie Hausfrau. Drei Zimmer bewohnen sie, "die waren immer sauber und aufgeräumt", sagt Tilo. Der hatte früher auch Probleme in der Schule, "zwecks Mathe und Schreiben", brachte aber das Geld nach Hause. Verschiedene Bau- und Zeitarbeitsfirmen, am Ende der Schlachthof Teterow. 12 bis 17 Stunden am Tag, für 1100 bis 1400 Euro. Viel übrig blieb da nicht. Die Miete, das Auto, die Kleine. Sie, die Ehefrau, habe immer zuviel ausgegeben.
Ärzte stellten Verätzungen in der Speiseröhre fest
Immer wieder reden beide von "der Kleinen", für die sie einen Teppichklopfer im Schlafzimmer hatten, "um sie zur Räson zu bringen", wie die Angeklagte in der Anklageschrift zitiert wird. Doch trotz der Schläge wollte das Kind oft einfach nicht schlafen, dann ging Tilo N. noch vier bis fünf Mal rüber in der Nacht. Dass seine Frau mit der Kleinen überfordert war, will Tilo nie bemerkt haben. Mandy sagt, sie hatte niemanden, um darüber zu sprechen. Sie sei mit dem Wunschkind oft nicht fertig geworden, weil es "so viel Aufmerksamkeit brauchte".
Auch Herrn Weiß, der mittags immer zum Biertrinken vorbei kam, während ihr Mann arbeitete, erzählte sie nichts davon. Intim war da nichts, nur geredet hätten sie, aber nicht über die Familie. Lea-Marie war in der Kita. Sie war oft nicht zu Hause. Sie war oft im Krankenhaus. Das Ehepaar besuchte sie dort, einmal in der Woche und einmal am Wochenende. Mehr ging nicht, das Geld reichte nicht. Für die 30 Kilometer nach Demmin.